Endonormativität bezeichnet die gesellschaftliche Norm, nach der stillschweigend davon ausgegangen wird, dass alle Menschen endogeschlechtlich – also nicht intergeschlechtlich – sind. In einem endonormativen System werden intergeschlechtliche Körper als Abweichung, als krank oder behandlungsbedürftig dargestellt, statt als eine von mehreren natürlichen Ausprägungen körperlicher Geschlechtsmerkmale.
Die Norm zeigt sich in medizinischen Leitlinien, die auf eine möglichst frühe Angleichung intergeschlechtlicher Körper an ein binäres Schema zielen, ebenso wie in Formularen, Ausweisdokumenten oder alltäglicher Sprache, die nur zwei eindeutige Geschlechter vorsehen. Inter* Personen werden dadurch strukturell unsichtbar gemacht.
Der Begriff steht parallel zu Heteronormativität und Cisnormativität: Er macht eine Norm benennbar, die sonst als selbstverständlich und ungeschrieben gilt, und schafft damit die Voraussetzung, sie zu hinterfragen.