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Tuntenstreit

Buchstabe T 58 Begriffe

Als Tuntenstreit bezeichnet man einen Konflikt in der zweiten deutschen Schwulenbewegung in den Jahren 1973 und 1974. Er begann in West-Berlin beim Pfingsttreffen 1973, das die Homosexuelle Aktion Westberlin (HAW) organisiert hatte.

Auslöser war der Auftritt von Schwulen in Frauenkleidern, die aus Frankreich und Italien angereist waren. Deutsche Aktivisten lehnten dieses „weibische Verhalten“ ab. Daraus wurde eine Grundsatzdebatte über Strategie und Selbstbild der Bewegung: Sollte sie sich integrieren oder radikal eigene Wege gehen?

Die Marxisten sahen die Unterdrückung von Homosexuellen als „vorkapitalistisches Relikt“ und setzten auf Integration. Der „Feministen“-Flügel forderte eine autonome Schwulenbewegung mit eigenen Positionen. Die HAW spaltete sich in diese beiden Lager. Spätestens ab Mitte 1977 verlor sie an Einfluss, nicht zuletzt wegen dieser Konflikte.

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