Die Amadeu Antonio Stiftung zählt für 2026 so viele CSDs wie nie, 299, und 156 davon waren von Störungen betroffen. Körperliche Angriffe auf Teilnehmende nahmen deutlich zu.
Bild: KI-generiert · Illustration
Die Amadeu Antonio Stiftung hat zum Ende der CSD-Saison 2026 zum dritten Mal ein Monitoring zu Angriffen auf Christopher-Street-Day-Veranstaltungen vorgelegt. Es wurde am Montag vorgestellt. Demnach fanden in Deutschland 299 CSDs statt, so viele wie nie zuvor. 156 davon, also 52 Prozent, wurden gestört, bei manchen mehrfach. 2025 waren es 112 gestörte von 245 CSDs, das entsprach 46 Prozent.
Besonders stark stieg die Zahl der körperlichen Übergriffe auf Teilnehmende: von vier auf mindestens 19, ein Plus von 375 Prozent. Die Stiftung zählt außerdem 27 Sachbeschädigungen, etwa das Fünffache des Vorjahres, und 58 Beleidigungen gegen Teilnehmende, über 50 Prozent mehr.
Ronja Pohl, die das Monitoring verfasst hat, verweist auf den tödlichen islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD. Queere Menschen seien in Deutschland nicht sicher, sagt sie, die Gefahr für Veranstaltende und Teilnehmende sei enorm. Stiftungsvorstand Tahera Ameer warnt vor spontanen Angriffen von Passantinnen und Passanten, die zu rechtsextremen Aufmärschen hinzukämen. Queerfeindlichkeit sei wieder gesellschaftlich anschlussfähiger.
Mehr Gefährdung heißt mehr Sicherheitsaufwand, und der muss laut Stiftung zunehmend privat bezahlt werden. Ohne Unterstützung könnten gerade im ländlichen Raum immer weniger CSDs stattfinden. Die Stiftung selbst förderte 2026 Sicherheitsmaßnahmen für 28 CSDs, viele davon in ostdeutschen Kleinstädten.
Pohl kritisiert, Behörden machten es CSDs zunehmend schwer, Fördermittel zu bekommen: Den einen seien sie zu politisch, den anderen zu unpolitisch, um als politische Versammlung zu gelten. In Dresden und Görlitz wollten die Behörden den CSD zunächst nicht vollständig als politische Veranstaltung anerkennen, was hohe Kosten bedeutet hätte. In Görlitz kam die Anerkennung später doch. Das Bundesbildungsministerium unter Karin Prien (CDU) strich dem CSD Rathenow kurzfristig die gesamte Förderung; Prien hatte erklärt, viele geförderte Projekte seien ihr zu links.
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