In Nigeria drohen homosexuellen Männern bis zu 14 Jahre Haft, in zwölf Bundesstaaten sogar die Todesstrafe. Der 17-jährige Lamine plant deshalb seine Flucht, sobald er volljährig ist.
Lamine ist 17 Jahre alt, lebt im Süden Nigerias und träumt von einem Leben, in dem er offen schwul sein kann. Bislang bleibt das ein Traum: Der Jugendliche geht nicht mehr zur Schule, meidet queere Treffpunkte und kennt niemanden aus der eigenen Community persönlich. Geküsst hat er noch nie jemanden.
Seine Sicherheit hängt an einem seidenen Faden. Vor seinen Brüdern verbirgt er seine sexuelle Orientierung, nur seine Schwestern wissen davon und unterstützen ihn heimlich bei den Plänen für eine Flucht. Auf Instagram lebt er ein Doppelleben: Dort postet er offen zu queerem Stolz und politischen Themen – ein Kontrast zu seinem Alltag, in dem schon ein Gerücht oder eine falsch gedeutete Geste sein Leben zerstören könnte.
Nigerias Gesetze gehören zu den härtesten weltweit. Gleichgeschlechtliche Beziehungen werden mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft. In zwölf nördlichen Bundesstaaten, in denen Scharia-Recht gilt, droht homosexuellen Männern sogar die Todesstrafe durch Steinigung. Öffentliche Zuneigungsbekundungen, gleichgeschlechtliche Ehen und LGBTIQ+-Organisationen sind verboten. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren regelmäßig Verhaftungen und Gewalt gegen queere Menschen – Lamine selbst hat Videos einer brutalen Gruppenattacke auf einen Schwulen in einem Studentenwohnheim in Lagos gesehen und geteilt.
Sein Plan: Sobald er volljährig ist, will er das Land verlassen. Nicht Karriere oder Wohlstand treiben ihn dabei an, sondern etwas Grundlegenderes. „Ich wünsche mir ein Leben, in dem ich als schwuler Mensch einfach hinausgehen und frei leben kann“, sagt er. Eines Tages, hofft er, kann er seine Geschichte unter seinem echten Namen erzählen – ohne Angst.
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