Ein Gericht in Guatemala hat sieben frühere Polizisten verurteilt, die im April 2024 ein schwules Paar auf einer Wache misshandelt und getötet haben. Zwei von ihnen müssen je 60 Jahre in Haft.
Bild: KI-generiert · Illustration
Ein Gericht in Guatemala hat sieben ehemalige Polizisten verurteilt, weil sie im April 2024 ein schwules Paar getötet haben. Der damalige Wachleiter Edy Leonel Vásquez Rabanales und ein weiterer Beamter erhielten jeweils 60 Jahre Haft, ein dritter Ex-Polizist 30 Jahre. Das Urteil fiel am 21. Oktober.
Die Opfer waren der 45-jährige Milton Santamaría, kanadischer Staatsbürger mit salvadorianischen Wurzeln, und der 28-jährige Guatemalteke Eldin Leonel Choc Xi. Sie wollten ein Haus mieten, Land kaufen und gemeinsam Landwirtschaft betreiben. Ihre Beziehung hielten sie weitgehend privat. Am 18. April 2024 nahmen Polizisten die beiden in San Andrés Itzapa fest, angeblich wegen Störung der öffentlichen Ordnung. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gab es dafür keinen rechtmäßigen Grund.
Auf der Wache schlugen die Beamten die Männer und beschimpften sie homophob. Milton Santamaría starb an schweren inneren Verletzungen; die Beteiligten wollten seinen Tod laut den Ermittlern als Verkehrsunfall tarnen. Eldin Choc wurde aus der Wache gebracht, erdrosselt und an einem abgelegenen Ort zurückgelassen. Sein Bruder fand später den Leichnam. Eine Polizistin hatte Tonaufnahmen gesichert, auf denen Choc um Hilfe ruft und den Namen seines Partners schreit. Sieben Audiodateien legte die Staatsanwaltschaft vor.
Der Wachleiter floh nach der Tat in die USA, wurde im Juni 2024 in Arizona festgenommen und nach Guatemala abgeschoben. Die 30-jährige Haftstrafe erging wegen der Tötung von Santamaría. Die Strafen bestätigte die staatliche Nachrichtenagentur AGN unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft.
Vor dem Justizgebäude erinnerten Angehörige und Aktivistinnen und Aktivisten mit Blumen, Kerzen und Transparenten an das Paar und protestierten gegen Homophobie. Die Menschenrechtsorganisation Visibles begrüßte die Verurteilungen, forderte aber, den Hass hinter der Tat ausdrücklich zu benennen. Hassverbrechen sind in Guatemala kein eigener Straftatbestand.
Verwandte Artikel
Mord an Paul Gérard erschüttert queere Szene in Douala
Der 25-jährige Paul Gérard wurde tot in seiner Wohnung in Douala, Kamerun, aufgefunden, geschlagen und erwürgt. Ein langjähriger Freund gilt als Hauptverdächtiger und ist flüchtig. Der Fall reiht sich in eine Situation ein, in der Homosexualität in Kamerun weiterhin strafbar ist.
Mutmaßliches Hassverbrechen: Schwules Ehepaar in Denver bei Straßenverkehrsstreit angeschossen
Ein Mann soll bei einem Streit im Straßenverkehr mit homophoben Beleidigungen auf ein schwules Ehepaar geschossen haben. Die Polizei klagt ihn wegen dreifachen versuchten Mordes an.
Kevin Aviance, 20 Jahre nach dem Hassverbrechen: "Wir müssen offen leben"
2006 wurde der Drag-Künstler Kevin Aviance in New York brutal angegriffen, weil er schwul ist. Zwanzig Jahre später warnt er die queere Community davor, sich aus Angst zurückzuziehen.