2006 wurde der Drag-Künstler Kevin Aviance in New York brutal angegriffen, weil er schwul ist. Zwanzig Jahre später warnt er die queere Community davor, sich aus Angst zurückzuziehen.
Am 10. Juni 2006 verließ Kevin Aviance eine Bar im East Village von Manhattan, als ihn eine Gruppe von Männern angriff. Sie bewarfen ihn mit Müll und einem Farbkübel und beschimpften ihn mit homophoben Parolen, bevor sie ihn zusammenschlugen. Aviance erlitt einen Kieferbruch. Vier Täter wurden festgenommen und 2007 zu Haftstrafen zwischen sechs und fünfzehn Jahren verurteilt.
Der heute 58-Jährige, aufgewachsen in Richmond, Virginia, hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits einen Namen als Drag- und Ballroom-Künstler gemacht – zunächst im legendären Club Tracks in Washington D.C., später in New York. Seine Musik prägte über Jahre die Tanzflächenkultur der queeren Szene; 2022 sampelte Beyoncé seinen Track "Cunty" von 1996 für ihr Album "Renaissance".
Im Rückblick beschreibt Aviance den Angriff als einschneidenden Moment: "This one was different. It was way different, and I could feel the hate." Der Weg zurück war lang – der Angriff, Suchtprobleme und der Tod seiner Mutter prägten die folgenden Jahre. 2007 durchlief er ein Reha-Programm, kehrte danach aber auf die Bühne zurück und startete 2023 mit der CVNTY Ball Tour ein neues Kapitel seiner Karriere.
Zwanzig Jahre nach dem Angriff formuliert Aviance eine klare Botschaft an die Community: "We need to start living outwardly." Angesichts des politischen Gegenwinds gegen trans Menschen und Drag-Kultur in den USA rät er dazu, Sichtbarkeit nicht aufzugeben, sondern sich mindestens einmal im Monat mit anderen queeren Menschen zu treffen. Sein Fazit: Wenn einer fällt, fallen alle – gegenseitige Unterstützung sei gerade jetzt wichtiger als Rückzug.
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