Victoria Cruz, eine der letzten noch lebenden Zeitzeuginnen des Stonewall-Aufstands, ist am 25. Juni im Alter von 79 Jahren an Leberkrebs gestorben. Cruz wurde in Puerto Rico geboren und wuchs im Brooklyner Stadtteil Red Hook auf. Sie wusste schon als Kind, dass sie ein Mädchen war, und schloss später ein Theaterstudium am Brooklyn College ab. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie zeitweise im Schönheitsgewerbe, in der Sexarbeit und im New Yorker Nachtleben, wo sie 1973 ihren ersten Drag-Auftritt hatte.
Cruz gehörte zu den Stammgästen des Stonewall Inn. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 war sie dort, um ihren Freund Frankie, einen Türsteher, abzuholen – und geriet mitten in die Polizeirazzia, die als Beginn der modernen LGBTQ-Bewegung gilt. Sie erlebte die eskalierende Gewalt aus nächster Nähe: Erst flogen Münzen, dann Mülleimer, schließlich brannten Autos. Ein Jahr später nahm sie am ersten Christopher Street Liberation Day teil, dem Vorläufer heutiger Pride-Paraden.
Ihren größten Einfluss entfaltete Cruz über 18 Jahre beim New York City Anti-Violence Project, wo sie zunächst selbst Unterstützung nach einem sexuellen Angriff suchte und später das Programm gegen häusliche Gewalt leitete. Breitere Bekanntheit erlangte sie 2017 durch die Dokumentation „The Death and Life of Marsha P. Johnson", in der sie akribisch den ungeklärten Tod ihrer Weggefährtin Marsha P. Johnson untersuchte und auf die anhaltende Gleichgültigkeit gegenüber Gewalt an trans Frauen of Color aufmerksam machte.
In ihren letzten Jahren war Cruz als „Queen of Riis" am Jacob Riis Park in Queens bekannt, wo sie jüngere Aktivistinnen und Aktivisten begleitete. Im Dezember 2025 erhielt sie den Brick Award for Community Activism der Stonewall Inn Gives Back Initiative. In ihrer Dankesrede sagte sie: „Wir haben in Stonewall Widerstand geleistet, und wir können das auch heute noch – heute ist es leichter, einfach man selbst zu sein."
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