Ein Gericht in Ecuador hat sechs Menschen wegen eines Hassverbrechens an der trans Frau Karlina Quiroz verurteilt, die 2019 und 2021 zwangsweise in ein „Rehabilitationszentrum" eingewiesen wurde. Es ist ein Präzedenzfall gegen Konversionstherapie – auch wenn solche Einrichtungen im Land laut Aktivist:innen weiter im Verborgenen arbeiten.
Bild: KI-generiert · Illustration
Ein Gericht in der ecuadorianischen Stadt Chone hat sechs Menschen wegen eines Hassverbrechens gegen eine trans Frau verurteilt. Karlina Quiroz, heute 57 Jahre alt, war 2019 und erneut 2021 gegen ihren Willen in ein sogenanntes Rehabilitationszentrum eingewiesen worden. Dort sollte ihre Geschlechtsidentität mit Gewalt, Erniedrigung und psychischem Druck „korrigiert" werden – gängige Praxis bei sogenannten Konversionstherapien.
Das Strafgericht von Chone verhängte die Urteile am 11. September. Drei Angeklagte, darunter zwei Brüder und ein Neffe von Quiroz, die die Einweisung veranlasst hatten, erhielten als unmittelbar Verantwortliche vier Jahre Haft. Die Leitung des Zentrums sowie zwei weitere Beteiligte wurden als Gehilfen zu zwei Jahren verurteilt. Zusätzlich ordnete das Gericht psychologische Behandlung und eine finanzielle Entschädigung für materielle und immaterielle Schäden an.
Quiroz war 2019 drei Monate lang festgehalten worden, 2021 folgte eine zweite Einweisung. Im September desselben Jahres deckten Ermittler das inoffizielle Zentrum auf.
Der Menschenrechtsanwalt Pedro Gutiérrez bezeichnete das Urteil als bedeutsamen Präzedenzfall, weil es Hassverbrechen aufgrund der Geschlechtsidentität erstmals in dieser Form anerkennt und die Folter in solchen Einrichtungen dokumentiert. Die angeordnete Wiedergutmachung kritisierte er zugleich als unzureichend – es fehle etwa eine öffentliche Entschuldigung oder eine Meldung an das Gesundheitsministerium.
Der Fall verweist auf ein größeres Problem: Laut einer Erhebung des nationalen Statistikinstituts INEC haben 53,5 Prozent der über 18-jährigen LGBTQ+-Personen in Ecuador bereits Diskriminierung oder Gewalt erlebt. Menschenrechtsorganisationen dokumentierten für 2025 landesweit 30 Morde an LGBTQ+- und trans Personen, etwa 70 Prozent davon Transfemizide. Konversionstherapie-Zentren, offiziell verboten und wiederholt geschlossen, operieren nach Angaben von Aktivist:innen weiterhin im Verborgenen.
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