Radicalesbians ist der Name mehrerer lesbisch-feministischer Gruppen, die nach den Stonewall-Aufständen entstanden. Die bekannteste bildete sich 1970 in New York. Anlass war die Spannung, in der viele Lesben in dieser Zeit standen: In den Organisationen der Schwulenbewegung, etwa der Gay Liberation Front, erlebten sie Frauenfeindlichkeit, in der Frauenbewegung wurden sie an den Rand gedrängt. Betty Friedan, damals Vorsitzende der National Organization for Women, hatte Lesben 1969 als "lavender menace" ("lavendelfarbene Bedrohung") der Frauenbewegung bezeichnet.
Am 1. Mai 1970 unterbrach die Gruppe den Second Congress to Unite Women. Die Frauen trugen selbstgestaltete T-Shirts mit der Aufschrift "Lavender Menace" und forderten, lesbische Themen zu besprechen. Die Aktion wurde angenommen, und die restlichen zwei Kongresstage widmeten sich lesbischen Anliegen. Danach nannte sich die Gruppe zunächst Lesbian Liberation und schließlich Radicalesbians. Daher wird sie bis heute gelegentlich irrtümlich noch "Lavender Menace" genannt.
Das Manifest "The Woman-Identified Woman" gilt als Gründungstext des lesbischen Feminismus. Es argumentiert, Frauen könnten sich nur befreien, wenn sie sich nicht über männlich geprägte Kategorien definieren, sondern in Beziehung zu anderen Frauen. Lesbischsein wird darin als politische Haltung verstanden. Weitere Gruppen gleichen Namens bestanden in Philadelphia und, unabhängig davon, in Australien.