In den späten 1980er-Jahren gründeten zwei Frauen in Kansas City, Missouri, ein Viertel, das es in dieser Form kaum noch einmal gegeben hat: Womontown, eine von lesbischen Frauen selbst aufgebaute Nachbarschaft über zwölf Häuserblocks, mit zeitweise mehr als 70 Bewohnerinnen.
Der Ausgangspunkt war einfach: Die Gründerinnen wollten durch ihre Straße gehen können, Hand in Hand, ohne Anfeindungen. Dazu kam ein praktisches Problem – Frauen bekamen damals schwerer Kredite und Hypotheken als Männer, gerade wenn sie allein oder als Paar auftraten. Also kauften sie günstige Häuser gemeinsam, sanierten sie in Eigenregie und erweiterten das Projekt später um ganze Mehrfamilienhäuser, in die weitere Frauen aus dem ganzen Land zogen.
Anders als viele Stadtentwicklungsprojekte jener Zeit setzte Womontown nicht auf Verdrängung: Die Nachbarschaft wurde als Modell dafür bekannt, ein Viertel aufzuwerten, ohne die bestehende Bevölkerung zu verdrängen.
Der intensive gemeinschaftliche Aufbau ließ sich auf Dauer nicht durchhalten – bis 1995 war das Projekt in seiner ursprünglichen Form am Ende. Vergessen ist es trotzdem nicht: 2024 erhielt Womontown eine historische Gedenktafel, 2022 erschien ein Dokumentarfilm über seine Geschichte.
Für viele der beteiligten Frauen war Womontown mehr als eine Wohnadresse. Es war der Beweis, dass sich Sicherheit und Selbstbestimmung auch dann organisieren lassen, wenn Institutionen dafür keinen Raum bieten – ein Stück lesbischer Stadtgeschichte, das lange kaum dokumentiert war.
Verwandte Artikel
US-Kampagne stellt Plakate gegen die Ehe für alle auf
Eine Allianz aus 47 christlich-konservativen Organisationen will das Grundsatzurteil zur Ehe für alle in den USA per Klage kippen. Erste Plakate mit der Botschaft, Kinder bräuchten zwingend Mutter und Vater, stehen bereits in Ohio.
Republikanerin sorgt mit Drag-Attacke im US-Kongress für Empörung
Die republikanische Abgeordnete Nancy Mace hat im US-Kongress Fotos von RuPaul und Drag-Race-Stars gezeigt und Drag pauschal mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht. Kandy Muse und Joey Jay erwägen rechtliche Schritte.
Victoria Cruz, Stonewall-Veteranin und Trans-Aktivistin, ist gestorben
Victoria Cruz war 1969 beim Stonewall-Aufstand dabei und setzte sich fast 50 Jahre lang für Gewaltopfer aus der queeren Community ein. Sie starb im Alter von 79 Jahren.