Laut einer Recherche von Ronan Farrow darf Grindr in den Standardeinstellungen Profildaten für generative KI nutzen. Wer das nicht will, muss mehrere Schalter in den Datenschutzeinstellungen ausschalten.
Bild: KI-generiert · Illustration
Grindr darf in den Standardeinstellungen Profildaten seiner Nutzer zum Training seiner generativen KI verwenden. Das berichtet Metro Weekly unter Berufung auf eine Videorecherche des Journalisten Ronan Farrow. Betroffen sind demnach „begrenzte Daten“ wie Fotos, Alter, Tippverhalten und Anzeigenamen; eine Zustimmung muss dafür nicht eingeholt werden. Für besonders geschützte Datenkategorien wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, ethnische Herkunft, Chatinhalte und genauen Standort braucht Grindr dagegen eine ausdrückliche Einwilligung.
Nach Angaben des Unternehmens personalisiert die KI die Nutzung der App, fasst Chats zusammen, schlägt Kontakte vor und unterstützt die Sicherheit auf der Plattform. Sie steckt auch im Abo „Edge“, das Grindr zu Preisen von bis zu 499,99 US-Dollar im Monat getestet hat.
Abschalten lässt sich die Nutzung in den Datenschutzeinstellungen der App. Farrow weist darauf hin, dass alle Schalter auf „aus“ stehen müssen. Der Widerspruch gilt nur für die Zukunft, nicht für Daten, die bereits verwendet wurden. Ein Grindr-Sprecher erklärte, Nutzer könnten jederzeit widersprechen, und verwies auf Sicherheits- und Datenschutzcenter, Datenschutzerklärung und einen KI-Erklärtext des Unternehmens.
Die Kritik trifft eine App mit Vorgeschichte. Im September 2026 einigte sich Grindr auf eine Zahlung von 26 Millionen Pfund (rund 35 Millionen Dollar) mit Tausenden britischen Nutzern. Sie hatten dem Unternehmen vorgeworfen, zwischen Mai 2018 und April 2020 sensible Daten, darunter bei einigen den HIV-Status, an Werbepartner weitergegeben zu haben. Norwegens Datenschutzbehörde hatte Grindr bereits 2021 mit 65 Millionen Kronen (damals etwa sechs Millionen Dollar) bestraft; ein Berufungsgericht bestätigte die Strafe im Oktober 2025 und nannte die Behauptung, Grindr verkaufe keine Daten für Werbung, „eindeutig irreführend“.
Farrow warnt, Datenlecks oder unbefugter Zugriff könnten Nutzer in Ländern gefährden, in denen gleichgeschlechtliche Beziehungen strafbar sind.
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